Grubenwehrlauf

Kumpels für die Ewigkeit

Auf Prosper-Haniel in Bottrop fand zum 70. Mal der Grubenwehrlauf statt. Für alle Beteiligten eine wehmütige Angelegenheit - denn es war der letzte Grubenwehrlauf auf einer Steinkohlenzeche in Deutschland.

© Lehnardt Imageworks
06.06.2018
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Aus Ibbenbüren, vom Schacht Konrad des Endlagers Asse und aus Prosper-Haniel - ein letztes Mal trafen sich die Grubenwehren zu ihrem traditionellen Lauf in Bottrop. Das 70. Jubiläum war zugleich das Ende des 10-Kilometer-Laufs.

Rund 1000 Läufer gingen in Prosper-Haniel an den Start. Darunter waren nicht nur Grubenwehren, sondern auch Gastläufer. „Wir sind sehr stolz, dass wir den letzten Lauf auf unserem Bergwerk ausrichten durften“, sagte Frank Kocima, Oberführer der Grubenwehr auf Prosper-Haniel. „Wir sind froh, dass wir uns adäquat von der Bevölkerung verabschieden konnten.“

Grubenwehren sind die Feuerwehren der Bergleute. Rund 140 Wehmänner sind in Bottrop noch aktiv auf der Zeche. Sie sichern den Bergbau und sind zur Stelle, wenn unter Tage Hilfe benötigt wird. „Im Bergbau sind wir generell eng verbunden“, sagte Thomas Baarsch, Reviersteiger auf Prosper, „man hilft sich gegenseitig, wo man kann. Doch die Grubenwehr ist nochmal etwas ganz Besonderes.“ Der Zusammenhalt und das Wir-Gefühl sei bei ihnen in der Grubenwehr nochmal enger und spezieller. Für Thomas ist wie für viele seiner Kollegen Ende des Jahres Schluss, er geht in den Vorruhestand. „Ich hätte gerne nochmal 10 Jahre weitergemacht“, sagte er wehmütig.

  • Foto: 

    Thomas Pflaum / VISUM

    „Unsere Leute sind top ausgebildet“, sagt Frank Kocima, Oberführer der Grubenwehr auf Prosper-Haniel.

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Für den Großteil der Wehrmänner geht es in den Ruhestand. Jüngere Kollegen werden sich beruflich neu ausrichten. Ob Feuerwehr oder auch beim Flughafen Düsseldorf - die gut ausgebildeten Grubenwehrmänner werden an vielen Stellen schon sehnlichst erwartet.

„Unsere Leute sind top ausgebildet“, sagte Frank Kocima, „ich mache mir keine Sorgen, dass es für die Kollegen gut weitergeht.“

Die Grubenwehr bleibt nach der Schließung des Steinkohlenbergwerks noch eineinhalb Jahre aktiv und begleitet den Rückzug des Bergwerks; dann wird auch sie aufgelöst. Ein Ende, das wie eine Wolke über dem fröhlichen letzten Grubenwehrlauf schwebt. „Das Schöne war, hier nochmal durchs Ziel zu kommen, so wie eigentlich jedes Jahr“, sagte Günnay Kaplan, Aufsichtshauer auf dem Bergwerk. „Aber ich bin schon traurig, dass das alles zu Ende geht. Ich bin seit 23 Jahren in der Grubenwehr, habe zahlreiche Höhen und Tiefen erlebt und kann es gar nicht so recht glauben, dass das alles nun vorbei sein soll.“

Als die letzten Läufer das Ziel erreicht haben, endete nicht nur ein Rennen und damit der letzte Grubenwehrlauf, sondern eine Ära. „Das war schon wirklich schwierig“, sagte Frank Kocima, „beim Zieleinlauf hat man erst richtig realisiert, dass das jetzt das letzte Mal war. Ein sehr seltsames Gefühl und ich bin mir sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis die ein oder andere Träne vergossen wird.“ Um sich noch einmal richtig von ihrer Grubenwehr und den Menschen in der Region zu verabschieden, sammelte der Oberführer seine Mannschaft nach dem Zieleinlauf um sich. Das Steigerlied singend, liefen die starken Männer mit dem kohleschwarzen Herz noch mal über die Zielgerade. Über ihren Köpfen hing ein Plakat, das nicht nur das Motto des Laufs ausgab, sondern das Lebensgefühl aller Bergleute: „Kumpels für die Ewigkeit“.

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