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20.08.2014

Von: Dagny Riegel

Interview

Mit einem guten Gefühl im Betrieb sein – und bleiben

Aller Anfang ist aufregend. Gut, wenn einem zu Beginn des Berufslebens jemand den Rücken freihält. Jacqueline Kluge ist so jemand: Im Interview erklärt die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) im Pharma-Konzern Boehringer Ingelheim, wie die JAV Azubis unterstützt.

privat

Jacqueline Kluge

Wozu gibt es die JAV?

Der Name sagt's ja schon: wir sind Interessenvertretung und Ansprechpartner für Jugendliche und Auszubildende im Betrieb. Wenn irgendetwas in der Ausbildung nicht rund läuft, sind wir da. Das können einmal Probleme mit den Ausbildern sein oder mit der Schule, aber auch private Sorgen. Wir sind oft einfach näher dran an den Leuten als die Erwachsenen.

Wo genau helft Ihr zum Beispiel?

Wenn eine Krankmeldung zu spät eingereicht wurde, es Ärger mit den Schulnoten gibt oder womöglich Suchtprobleme, aber das kommt zum Glück selten vor. Die JAV gibt  die Gewissheit, dass jemand für die Azubis da ist und sich für sie einsetzt. Sie sollen in erster Linie Spaß in der Ausbildung haben und dann natürlich mit einem guten Gefühl im Betrieb bleiben. Der Kernpunkt ist, dass die Übernahme klappt.

Und was macht die JAV in Eurem Betrieb, damit die klappt?

Die Übernahme war und ist ein ganz großes Thema. Vor einem Jahr haben wir eine Konzernvereinbarung dazu abgeschlossen. Während der Wirtschaftskrise waren Azubis vorher trotz Übernahmeempfehlung nicht eingestellt worden, sondern nur in einen „Pool“ gekommen. Nach und nach wurde der aber immer häufiger ausgenutzt, um sie als günstige Arbeitskräfte für ein paar Monate einzusetzen. Den Pool haben wir abgeschafft, und alle daraus haben richtige Verträge bekommen. Im Rahmen eines einjährigen Pilotprojekts haben wir außerdem eine Übernahme-Quote von 25 Prozent für den Jahrgang vereinbart. Das ist gut gelaufen.

Was für Angebote gibt es bei Boehringer Ingelheim für die neuen Azubis?

Zuerst ist es wichtig, dass sie bei uns nicht ins kalte Wasser geworfen werden. Es gibt eine Begrüßung und eine Orientierungsphase, in der sie sich kennen lernen und ganz viele Informationen bekommen. Da klinken wir uns ein und zeigen, was die JAV macht und wie sie mit Betriebsrat und Gewerkschaft zusammen arbeitet. Wir haben ein Planspiel, bei dem die Azubis das Horrorszenario durchspielen, was ohne uns Arbeitnehmervertreter passieren könnte. Ein Kollege im Anzug spielt den Chef, der Stellen streicht, die Kantine abschafft und an der Ausbildung spart. Die Azubis verhandeln mit ihm. Das ist für alle ein Riesenspaß und hat einen echten Aha-Effekt. Sie merken: Je mehr wir sind, desto mehr erreichen wir.

Apropos mehr Leute, wie ist denn Euer JAV-Team aufgestellt? Boehringer ist ja recht groß.

Wir sind zu neunt in der JAV und zwar bunt gemischt, Chemielaboranten, Pharmakanten, Kaufleute, Techniker aus verschiedenen Altersgruppen, Erfahrene und Neue. Nur so können wir die große Zahl von rund 350 Azubis vertreten.

Klingt nach viel Arbeit...

Vor allem machen wir das ja neben unserem normalen Job. Für Veranstaltungen werden wir aber freigestellt und können uns auch so mal ein paar Stunden rausziehen aus der Arbeit, wenn viel zu tun ist. Immer in Absprache mit dem Vorgesetzten natürlich.

Wie wird man denn „JAVi“?

Die JAV wird alle zwei Jahre gewählt. Bei uns sind die nächsten Wahlen am fünften November. Wir machen das im Anschluss an die Versammlung, auf der wir auch einen Rechenschaftsbericht geben, also darlegen, was seit der letzten Versammlung lief. Wir laden Gäste aus dem Betriebsrat, den Ausbildungsleiter, mit dem wir gern und gut zusammen arbeiten, und Vertreter der Geschäftsführung ein. Danach werden die Stimmen für die neuen „JAVis“ gezählt, und auf der nächsten Sitzung wählen wir dann unter anderem Vorsitz, Stellvertreter und Schriftführer.

Mit welchem Programm geht Ihr in die Wahl?

Naja, unsere Position ist recht klar, eigentlich müssen wir da gar nicht mehr so viel erklären; wir fragen ja ständig, was den Azubis wichtig ist, und die erste Antwort ist immer: die Übernahme.