Berufswahl

Wichtig ist Spaß am Beruf

Alle Jugendlichen stehen vor der Frage, welcher Beruf der richtige für sie ist. Doch auf was achten die jungen Leute bei der Berufswahl und was beeinflusst sie dabei? Angelika Puhlmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung beschäftigt sich mit dem Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf und hat uns einige Fragen dazu beantwortet.

Bundesinstitut für Berufsbildung

Angelika Puhlmann Angelika Puhlmann, Bundesinstitut für Berufsbildung.
01.08.2014
  • Von: Désirée Binder

Welche Einfluss haben die Eltern bei der Berufswahl?

Wir haben im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ein Forschungsprojekt zur Berufsorientierung junger Frauen im Wandel durchgeführt und dabei auch danach gefragt, wer bei der Berufsorientierung für junge Menschen am wichtigsten ist.  Demnach sind Eltern die wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um die Berufswahl geht. Vor allem die Unterstützung auf dem Weg in den Beruf ist für die Jugendlichen wichtig. Diese herausragende Bedeutung der Eltern für die Berufswahl und die Berufsorientierung Jugendlicher hat sich über lange Jahre hinweg nicht geändert.

Was ist Jugendlichen bei der Berufswahl besonders wichtig? Worauf achten sie?

“Spaß am Beruf“ ist das wichtigste Kriterium der Jugendlichen, gefolgt von „Eignung für den Beruf“. Jugendliche möchten am liebsten einen Beruf ergreifen, der zu ihnen passt. Allerdings haben sie auch eine hohe Bereitschaft, Kompromisse einzugehen und vorhandene Ausbildungsplatzangebote anzunehmen, auch wenn diese nicht unbedingt ihren Traumberuf treffen. Sehr wichtig ist es für sie eben auch, überhaupt einen Ausbildungsplatz finden.

Gibt es Unterschiede bei der Berufswahl von jungen Frauen und Männern?

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind eher gering. Vor allem bei den wichtigsten Eigenschaften wie Spaß am Beruf gibt es kaum Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Jungen Männern ist jedoch wichtiger, ihr Hobby im Beruf zu verwirklichen, mit modernen Maschinen zu arbeiten und möglichst viel Geld zu verdienen. Junge Frauen legen hingegen deutlich mehr Wert auf Sicherheit vor Entlassung.

Trotz Aktionstagen wie Girls- oder Boys-Day bleibt der Lieblingsberuf der Mädchen Kauffrau im Einzelhandel, der der Jungen Kfz-Mechatroniker. Woran liegt das?

Zum einen spiegelt die Berufswahl die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen wider, zum anderen auch den – zumindest tendenziellen – Ausschluss von Frauen aus vor allem gewerblich-technischen Berufen in der Industrie sowie Handwerksberufen. Tatsächliche sind kaufmännische Berufe für jungen Frauen am attraktivsten. Sie sind noch beliebter als Friseurin oder Medizinische Fachangestellte. Auch für Männer hat dieser Beruf an Attraktivität gewonnen: Er liegt direkt hinter dem Kfz-Mechatroniker auf Platz 2 der häufigsten Ausbildungsberufe von Jungen. Das Ausbildungsangebot für Jungen hat sich hier also ausgeweitet, während das Ausbildungsangebot für Mädchen im Handwerk und in den gewerblich-technischen Berufen gleich niedrig geblieben ist.  Es geht bei Lieblingsberufen nicht allein um individuelle Interessen, sondern auch darum, wie Jugendliche bei Stellenangeboten angesprochen werden, ob die Berufsbezeichnung oder -beschreibung neutral ist oder geschlechterspezifisch. An diesen Themen muss gearbeitet werden, damit auch die im Rahmen des Girls’ Day geweckten oder unterstützten  Interessen und Talente von Mädchen – etwa im Handwerk oder auch im MINT-Bereich – in der Realität dann auch auf tatsächliche Ausbildungsangebote in diesen Berufsfeldern treffen.

Was hat sich im Laufe der Generationen bei der Berufswahl von Jugendlichen geändert?

Dazu gibt es kaum systematische Untersuchungen. Ein Forschungsprojekt der TU-München hat sich 2013 mit dem Thema befasst. Das Ergebnis war, dass sich für Berufseinsteiger  im Generationenvergleich eine Menge geändert hat: So hat die gefühlte Freiheit bei der Berufswahl zugenommen, ebenso wie der Wunsch das Leben selbst zu gestalten. Außerdem sind die Arbeitszeiten heute deutlich wichtiger als früher. Insgesamt hat der Wunsch nach Freiheit und Chancen deutlich zugenommen.

Wie suchen Jugendliche nach einem Beruf? Wie orientieren sie sich?

Das Betriebspraktikum wurde in der Untersuchung des BIBB als bekannteste, am meisten genutzte und hilfreichste Informationsquelle angegeben, gefolgt von der allgemeinen Internetnutzung. Ebenfalls als sehr hilfreich – und eben praxisnah – wurden Betriebsbesichtigungen und Berufsorientierungsmessen bewertet. Schriftliche Materialien zur Berufsorientierung spielen ebenfalls eine große Rolle. Dabei stehen BIZ-Informationsmaterialien und Berufsinformationsbroschüren an erster Stelle.

Wie können sich Jugendliche in der Entscheidung für einen Beruf sicher werden? Was für Hilfsmittel gibt es dafür?

Für eine gute und zufriedenstellende Berufswahl müssen die Jugendlichen wissen, was einen Beruf ausmacht und welche Fertigkeiten sie dazu benötigen. Das kann jedoch nicht in einmaligen Veranstaltungen zum Ende der Schulzeit vermittelt werden, sondern muss im Verlauf der Schulzeit passieren. Die Berufsorientierung ist auf diese Weise ein Teil der schulischen Allgemeinbildung. Das Gelernte soll den Schülern dann den Übergang von der Schule in die Ausbildung erleichtern. Es soll ihnen für die Wahl ihres Berufs das Fundament mitgeben und sie stärken sowie Ausbildungsabbrüche aufgrund falscher Berufswahl entgegen wirken. Methodisch werden Analysen der Potenziale der Schülerinnen und Schüler eingesetzt sowie Praxiserfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern.

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