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29.08.2013

Familienbewusste Personalpolitik

Beruf und Familie vereinbar machen

Der Anteil erwerbstätiger Frauen steigt stetig an. Frauen wollen sich heute nicht mehr zwischen Kind und Erwerbsarbeit entscheiden, sondern beides miteinander verbinden. Auch bei jungen Männern - so zeigt eine Vielzahl von Untersuchungen - wird ein deutlicher Trend hin zu einer aktiven Übernahme der Vaterrolle beobachtet.

In der Personalpolitik vieler Unternehmen spiegeln sich die Ansprüche der Beschäftigten allerdings noch nicht wider. Während sich flexible Arbeitszeitmodelle langsam zu Standards in den Betrieben entwickeln, sind zum Beispiel unterstützende Angebote zur Kinderbetreuung eher die Ausnahme als die Regel.

Konzepte für eine familienbewusste Personalpolitik sollen in erster Linie den Beschäftigten dienen, um die individuellen beruflichen und familiären Verpflichtungen in Einklang bringen und die Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig sichern zu können. Der - inzwischen unbestrittene - betriebswirtschaftliche Nutzen für Unternehmen ergibt sich aus der Tatsache, dass gut ausgebildete und hoch qualifizierte Frauen und Männer ohne lange Ausfall- und Einarbeitungszeiten zur Verfügung stehen, dass sie ein höheres Maß an Identifikation mit dem Unternehmen zeigen und damit bestmögliche Arbeitsleistung erbringen können. Außerdem profitieren der Staat und die sozialen Sicherungssysteme dadurch, dass mehr Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden, während gleichzeitig weniger Ausgaben für soziale Leistungen getätigt werden müssen.

Ergebnisse international vergleichender Studien zum Ausmaß der Geschlechterungleichheit (Gender Gap Index) zeigen, dass die Bundesrepublik in den Bereichen „Teilnahme am Arbeitsleben" und „wirtschaftliche Chancen" einen unterdurchschnittlichen Platz einnimmt und insgesamt nur im Mittelfeld der 58 betrachteten Staaten liegt (Quelle: World Economic Forum 2005). Auch hier gilt es unter anderem mit betrieblichen Maßnahmen gegenzusteuern.


Durchgeführte und geplante Aktivitäten:

Die IG BCE hat gemeinsam mit der ehemaligen Familienministerin Renate Schmidt im Juli 2005 das Impulspapier „Für eine nachhaltige Familienpolitik neuer Art" veröffentlicht. Darin plädieren beide für einen Mix aus Unterstützungsmaßnahmen von Zeit, Geld und Infrastruktur.

Die IG BCE hat im Oktober 2005 auf ihrem Gewerkschaftskongress mehrere Anträge verabschiedet die Maßnahmen zur familienbewussten Personalpolitik enthalten. Diese können im Bereich der Flexibilisierung von Arbeitszeiten, von Telearbeitsplätzen, von Angeboten zur betrieblichen Weiterbildung für Frauen und Männer in der Elternzeit, der betrieblich unterstützten Kinderbetreuung (besonders für die Altersgruppen der bis zu drei- und über sechsjährigen Kinder) und vieles mehr sein.

Die IG BCE hat eine Themen- und Imagekampagne zum Thema „Familienbewusste Personalpolitik - Beruf und Familie vereinbar machen" gestartet. Die Kampagne zielt unter anderem darauf die Anzahl der Betriebsvereinbarungen und familienpolitischen Leitbilder in den Betrieben unseres Organisationsbereiches in den kommenden zwei Jahren deutlich zu erhöhen. Dazu werden eine Reihe von Informations- und Servicematerialien entwickelt und den handelnden Personen vor Ort (Betriebsräte, Vertrauensleute, Ortsgruppen, aber auch Bezirke und Landesbezirke) zur Verfügung gestellt.

Parallel dazu wurde eine Sozialpartnervereinbarung mit dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) unter dem Titel „Für eine chancengleiche und familienbewusste Personalpolitik" unterzeichnet. Darin wird die Bedeutung der Thematik für die Betriebe der chemischen Industrie auch unter Chancengleichheitsgesichtspunkten verdeutlicht und die Rolle sowie die Unterstützungsleistungen der Sozialpartner definiert. Die Vereinbarung wurde öffentlichkeitswirksam unter Beteiligung der Bundesfamilienministerin Frau von der Leyen in Berlin präsentiert.

Die IG BCE engagiert sich bei einer Vielzahl von Projekten (beispielsweise im DGB-Projekt Vorfahrt für Familien und in einer Vielzahl von regionalen Bündnissen für Familie) und beteiligt sich an Aktivitäten (beispielsweise am ersten deutschen Familientag oder beim Wiesbadener Gespräch mit dem BAVC).

Auf regionaler Ebene findet eine Reihe von (Sozialpartner)Veranstaltungen statt. In den Landesbezirken Hessen/Thüringen wurden bereits zwei Veranstaltungen durchgeführt; die Landesbezirke Nord und Nordost haben ebenfalls Tagungen organisiert und durchgeführt. Einzelne Bezirke haben das Thema zum Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit erklärt.

Die IG BCE ist Mitglied im Bundesforum Familie und im Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie", um durch die Vernetzung mit vielen anderen Kooperationspartnern Informationen auszutauschen und Aktivitäten zu bündeln.


Gemeinsam mit dem DGB, der Hans-Böckler-Stiftung und der IG Metall hat die IG BCE im September 2006 eine große familienpolitische Fachtagung in Berlin veranstaltet. Ziel der Veranstaltung war die Vernetzung und der fachliche Diskurs mit Betriebs- und Personalräten, Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern und den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Seit dem 30. November 2006 ist die IG BCE als Arbeitgeberin nach dem audit berufundfamilie zertifiziert. Ziel ist es, eine familienbewusste Personalpolitik auch als Arbeitgeberin in der eigenen Organisation zu verwirklichen und damit eine Vorbild- und Vorreiterfunktion für die Betriebe der angeschlossenen zu Branchen übernehmen.


Zielsetzung:

Die IG BCE nimmt ihre Aufgabe, betriebliche Lösungsmöglichkeiten zur besseren Balance von Beruf und Familie zu schaffen, sehr ernst. Der in den vergangenen Jahren eingeleitete Politikwechsel hin zu einer nachhaltigen Familienpolitik mit verbesserter Infrastruktur muss fortgeführt werden. Der Anteil, den die Sozialpartner dabei leisten können, wird voll ausgeschöpft.

Es gibt eine Vielzahl von gesetzlichen, tariflichen und betrieblichen Ansatzpunkten, das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufzugreifen. Diese - bereits vorhandenen Grundlagen - tatsächlich auch betrieblich umzusetzen, bleibt unser Ziel. Parallel dazu gilt es, die vorhandenen Möglichkeiten weiter auszubauen und an die veränderten politischen Gegebenheiten anzupassen.

Ziel aller Aktivitäten ist es, mehr Bewusstsein für die unterschiedliche Lebenslagen von Vätern und Müttern auch im Hinblick auf Pflegeaufgaben zu schaffen und deren Rahmenbedingungen deutlich zu verbessern. Dies geschieht beispielsweise auf der politischen Ebene durch Lobbyarbeit und Einflussnahme zum Beispiel bei der Einführung des Elterngelds, und die Verbesserung der Kinderbetreuungsstrukturen aber auch im betrieblichen Bereich durch die Erhöhung der Anzahl der familienbewussten Betriebsvereinbarungen und/oder der familienpolitischen Leitbilder in den Betrieben unseres Organisationsbereichs.

Die IG BCE will ein konkretes Unterstützungs- und Beteiligungsangebot für die Zielgruppe der 25- bis 40-jährigen Frauen und Männer schaffen und bei allen Zielen und Maßnahmen gleichermaßen auf die Ansprache von Frauen und Männer achten.